Geschichte

Heimat der Soayschafe: Der St. Kilda-Archipel

Saint_Kilda Schafe haben die britischen Inseln und die Insel Soay wohl im Neolithikum (11.000 – 3.000 v. Chr.) auf Einbäumen erreicht, wie man sie noch heute auf den Inseln der  Südsee finden kann.

Der St. Kilda-Archipel liegt hundert Kilometer westlich der Äußeren Hebriden im Nordatlantik. Mit ihren sturm- und wellenumtosten Steilklippen bieten die Inseln Hirta, Dun, Soay und Boreray sowie einzeln aufragende Felsen einen spektakulären Anblick. Hirta, mit 6,7 km die größte Insel, und die etwa einen Quadratkilometer umfassende Insel Soay beherbergen das Soayschaf, eine der kleinsten und ältesten Schafrassen Europas. Wie der australische Wildhund, der Dingo, so hat sich auch das Soayschaf über Jahrtausende hinweg ohne menschlichen Einfluss entwickelt, nachdem einige Tiere, mutmaßlich zur Vorratshaltung oder nach einem Schiffsunglück, von den frühen Seefahrern auf Soay ausgesetzt worden waren.

Soay_huetteDie Insel Hirta beherbergte bis 1930 eine kleine menschliche Siedlung. Nach der Evakuierung der Einwohner wurde alle Schafe dieser Rassen auf Hirta getötet und im Jahr 1932 auf Betreiben des damaligen Besitzers des Archipels, John Crichton-Stuart (1907 – 1956), dem fünften Marquess of Bute, insgesamt 107 auf der Nachbarinsel Soay eingefangene Soayschafe auf Hirta ausgesetzt, deren Nachfahren noch heute die gesamte Schafpopulation auf Hirta ausmachen. Die Insel Boreray beherbergt eine Population von Nachkommen der ursprünglichen und Blackface-Schafe der St. Kilda-Einwohner.

 

Park-Soays

The_Island_Of_Soay Ende des neunzehnten Jahrhunderts, als Dampfmaschinen eine Ausweitung der Schifffahrt erlaubten, zogen die eleganten kleinen Schafe von Soay das Interesse einiger britischer reicher Adeliger auf sich und es wurden wiederholt Tiere auf das Festland exportiert. Herbrand Arthur Russell (1858 – 1940), der elfte Duke of Bedford, war Zoologe und importierte eine Herde Soayschafe für den Park der Woburn Abbey, wo sie noch heute lebt. Russell – oder vielleicht auch seine Frau – hatte eine genaue Vorstellung vom „idealen“ Aussehen seiner Tiere; konsequent nahm er alle einfarbigen und hornlosen Individuen sowie solche mit verkümmerten Hörnern oder Blessen aus der Zucht. Das Resultat dieser Auslese ist eine Zuchtlinie, die heute unter dem Namen „Park-Soay“ bekannt und auch in Deutschland verbreitet ist. Einige Züchter bemühten sich hingegen um das ursprüngliche Erscheinungsbild der Soayschafe, so der Biologie-Professor Peter Jewell (1925 – 1998), der 1957 mit der Erforschung der Schafe begann, nachdem der Marquess of Bute den Archipel nach seinem Tod 1956 dem National Trust for Scotland überlassen hatte.

Soay_klippeSchafe der Linien „Park-Soay“ und „Hirta-Soay“ wurden in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunders nach Amerika und Kanada exportiert. Durch vielfältige Einkreuzung anderer Schafrassen und des Europäischen Mufflon haben die amerikanischen Soays viel von ihrem ursprünglichen Aussehen und ihren Eigenschaften verloren. In letzter Zeit gibt es Bestrebungen, durch Neuimporte und künstliche Befruchtung die ursprünglichen Hirta-Soay in den U.S.A. wieder zu etablieren; Herdbuchtiere werden dort unter der Bezeichnung gehandelt und entsprechen im Erscheinungsbild und hinsichtlich ihrer Abstammung vollständig den Hirta-Soay. Verdienste um diese Erhaltungszucht in den U.S.A. erwarben sich besonders Kathie Miller, Oregon, und Christine M. Williams aus Wales.

Soays in Deutschland

Eine Herde Soayschafe in Deutschland Klaus Grom importierte 1974 eine Herde von 20 Park-Soay aus der englischen Knebworth-Herde nach Deutschland und ergänzte diese mit Zugängen aus europäischen Zoos. Aus dieser 23 Tiere umfassenden Zucht stammen nahezu alle in Deutschland gehaltenen Park-Soay, von gelegentlich später eingeführten Einzeltieren einmal abgesehen.

Seit 1999 bemühen wir uns um den Erhalt und Rassereinheit der Park-Soay in Deutschland. Im Jahr 2010 wurde unsere Interessengemeinschaft in einen Verein gleichen Namens umgewandelt. Ihm gehörten im Jahr 2012 mehr als 240 Mitglieder an. Die Rasse ist also in Deutschland derzeit nicht gefährdet. Probleme ergeben sich jedoch durch die vielfältig vorgenommenen Einkreuzungen von Skudden, Heidschnucken, Kamerunschafen und Mufflons. Dies stellt ein erhebliches Problem für den Erhalt reinrassiger Linien dar.

Sie möchten noch mehr erfahren? Wir empfehlen dazu das Buch von Jobst Meyer: „Das Soayschaf – Abstammung, Zucht und Haltung eines steinzeitlichen Relikts