Verhalten

Soayschafe zeigen ein differenziertes Sozialverhalten, welches von den modernen Wirtschaftsrassen oftmals deutlich abweicht. Die saisonale Brunft findet in den Monaten Oktober und November statt. In dieser Zeit werben die Böcke intensiv um die weiblichen Tiere („Auen“). Die eigentliche Paarung bei den Schafen dauert nur wenige Sekunden; sie wird allerdings bis zu 30mal wiederholt.

CIMG3061 Die häufigste Haltungsform bei Privathaltern, ein Zuchtbock in einer mehr oder weniger großen Muttertierherde, unterscheidet sich erheblich von den „natürlichen“ Bedingungen auf St. Kilda. Hier beträgt das Geschlechterverhältnis der Böcke zu den Auen wegen der hohen Sterblichkeit der Böcke im Winter etwa 1 : 8. In Menschenobhut ist mit den Jahren oftmals eine Tendenz zur Größenzunahme der Schafe zu verzeichnen, da Züchter gerne die jeweils kräftigsten und  größten Tiere zur Zucht auswählen.

 

IMG_7513Die Lämmer werden nach einer 146tägigen Tragezeit meist im April geboren – Zwillingsgeburten sind häufig. Wie bei allen Huftieren versuchen sie bereits nach kurzer Zeit, an das Euter der Mutter zu gelangen. Nach wenigen Tagen sind sie äußerst flink auf den Beinen und üben fleißig das Rennen, Springen und andere schaftypische Verhaltensweisen wie Hufscharren, Aufreiten und auch Kopfstöße – ihre Hörnchen sind bereits nach zwei Wochen sichtbar. Nach fünf Tagen werden die ersten Grashälmchen probiert.

Rangordnungskämpfe zwischen Auen finden gelegentlich statt. Rangniedere Tiere merken schnell, wenn ein ranghöheres geschwächt ist, etwa nach der Geburt oder bei einer Verletzung. Sie versuchen dann, im Kampf ihren Rang zu verbessern. Böcke beteiligen sich recht gerne an diesen Auenkämpfen – sie nutzen die Gelegenheit beispielsweise, um außerhalb der Paarungszeit auf eine der Kombattantinnen aufzureiten oder sie nehmen Partei für eines der Weibchen, wollen „mitkämpfen“ und beenden so die Auseinandersetzung rasch. Auf St. Kilda hat ein hoher Rang für die Aue vornehmlich den Vorteil, im Winter rangniedere Tiere von guten Fressplätzen vertreiben zu können.